Mir ist in den letzten Tagen wieder aufgefallen, daß es sich beim Straßenverkehr in der chinesischen Hauptstadt um das größte Geschicklichkeitsspiel der Welt handelt.
Dabei geht es nicht um Regeln, sondern nur um Geschwindigkeiten und Richtungen der diversen Mitspieler sowie um Räume, die eingenommen werden können. Wenn man sich daran hält, läuft alles großartig und rote Ampeln, Gegenverkehr und dreispurige Straßen benutzt von PKWs, Bussen und Lastern sind kein Hindernis, sondern Herausforderungen, die es zu meistern, bzw. strategische Felder in Bewegung, dies es zu erobern gilt.
Solange sich alle an die Spielregeln halten, klappt dies auch ganz großartig. Und dies ist auch meistens der Fall. Wenn es dann doch einmal scheppert, kann es zu Szenen kommen, wie ich sie vor ein paar Wochen erleben durfte.
Ich kam gerade vom Sport und sah auf der Straße rund ein Dutzend Menschen um ein Taxi und ein umgestürztes Moped herumstehen. Der Fall schien klar: einer der beiden Verkehrsteilnehmer (ein schönes Wort!) scheint nicht aufgepaßt zu haben, s0 daß sie ineinandergestoßen sind. Der Blechschaden hielt sich in Grenzen, doch die Gemüter schäumten hoch, denn es wurde in geselliger Runde darüber diskutiert, wieviel der Taxifahrer dem Herren mit Zweirad zu zahlen habe. Dabei wurde fast gehandelt wie auf dem Basar, wobei der Geschädigte immer wieder betonte, wie sehr sein Arm schmerze und er den Schaden am Moped nicht einschätzen könne. Der Taxifahrer hatte nur wenig Sympathien auf seiner Seite, drei Herren aus der Runde diskutierten gegen ihn. Und versuchten auf eine gewisse Art zu schlichten.
Das Kurioseste an allem war der junge Streifenpolizist, der auffällig weit am Rand der Menge stand, und in keinster Weise eingriff.