Fahrt nach Chuandixia – 川底䞋

Letzte Woche stolperte ich über die neueste Ausgabe des chinesischen Reiseführers zu den altertümlichen Dörfern Chinas 叀镇枞, der bereits als 2003 Version in meinem Hamburger Bücherregal steht. Dort sind nach Provinzen geordnete zahrleiche Dörfer aufgelistet, die sich durch ihre alte Architektur auszeichnen und auch so weit ich das bisher zu erkennen meine, kaum in westlichen Führern Erwähnung finden. Da ich zur gleichen Zeit ein Gespräch mit einem Kollegen hatte, ob wir uns  in drei Jahren noch daran erinnern könnten, was wir diese Woche getan haben, beschl0ß ich, gemeinsam mit einer Kollegin nach Chuandixia zu fahren, einem kleinen Dorf rund zwei Stunden Autofahrt von Beijing entfernt, und somit etwas zu tun, woran ich mich mit Sicherheit erinnern würde.

Um dorthin zu gelangen, reaktivierte ich über ein paar Umwege einen sehr guten, alten Bekannten Li Na, den ich noch aus Studienzeiten kannte und seit rund sechs Jahren nicht mehr gesehen hatte. Er arbeitet mit seinem Privatwagen als Fahrer und ist damals häufig mit mir und Freunden zu den ungewöhnlichsten Plätzen gefahren, zu denen damals kein anderer Ausländer den Weg gefunden hat.

Entsprechend groß war die Wiedersehensfreude auf beiden Seiten und wir tratschten eine Weile über alte Zeiten. So  hatte er damals auf einem Ausflug zu den Ming-Gräbern die Traute gehabt, den Wächtern der geschlossenen Gräber gegenüber zu behaupten, wir seien ausländische Sportler deren Besuch bereits angekündigt sei. Und wieso der Mann am Tor denn nichts dann wüßte. Auch im Büro der Gräber-Verwaltung verkaufte er diese Geschichte so großartig, daß sich meinen Freunden und mir damals so manches Tor öffnete und wir in aller Ruhe die Grabanlagen besichtigen konnten. Dies ginge mittlerweile nicht mehr, so sagte Li Na aber diesmal. Beeindruckt hatte er auch meinen ehemaligen Biologielehrer, der mich 1999/2000 samt Frau in China besuchte. Li Na hatte es mit Schlitzohrigkeit auf einer Tour mit den beiden Gästen geschafft, sie in die ein paar Sehenswürdigkeiten kostenlos hineinzuschleusen.

Dies gelang ihm dieses Mal auch wieder.

Nach anfänglichen Staus hatten wir die Stadt bei blauem Himmel und Sonnenschein verlassen und fuhren in die Berge hinein. Nördlich von Beijing liegt ein Gebirgszug mit bis zu 1300 m Höhe, auf dem sich auch die Mauer befindet. Unser Ziel war dieses Mal aber Chuandixia, ein Dorf auf der Ming/Qing-Dynastie, das damals wohl sowohl als militärischer Vorposten als auch Handelsstation diente. Li Na erzählte während der Fahrt, daß gerade viele japanische Touristen diesen Ort besuchen würden, da das Dorf und die umliegende Gegend im chinesisch-japanischen Krieg stark umkämpft gewesen sei.

Etwas erstaunt und auch ein wenig enttäuscht war ich dann schon als ich die vielen Autos und Anzahl von Reisebussen sah, die sich am Fuße des Dorfes sammelten. Zum Glück verliefen sich die Besucherströme dann doch immer wieder in den vielen kleinen Gassen und Innenhöfen der Häuser. Am Tickethäuschen war Li Na nonchalant vorbei gefahren, ohne daß es uns oder den Verkäufern aufgefallen war. Mit Yichang, einer Referendarin, die in der AHK gerade arbeitet und sich dann auf ihr Auslandsjahr in Deutschland vorbereitet, spazierte ich durchs Dorf und knabberte letztendlich an der lokalen Spezialität, gegrilltem Mais.

Danach fuhren wir zu einem Tempel, der sehr schön auf einem Gipfel gelegen war, sich aber ansonsten nicht sonderlich von den anderen chinesischen Tempeln unterschied, die ich gesehen habe (jeder Sinologe, Chinese oder Fachbuddhist darf mir jetzt an den Ohren ziehen).

Auch wenn Li Na mir später erzählte, es wäre nun sehr schwer, Orte ohne viele Besucher zu finden (aber man muß ja Herausforderungen haben im Leben), war es großartig, Beijing hinter sich zu lassen und aufs Land zu fahren, mit sehr entspannten, neugierigen Menschen, dem Geruch von Holzfeuer in der Luft und Berghängen vor der Nase. Das wird sicher nicht der letzte Ausflug gewesen sein, als nächstes warten die kaiserlichen Qing-Gräber auf einen Besuch.

Wie immer anbei ein paar Fotos:

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3 Antworten zu Fahrt nach Chuandixia – 川底䞋

  1. Christian sagt:

    Hallo Bruderherz, klasse Bilder die Du da geschossen hast 🙂

  2. Gast sagt:

    Mir gefallen die Fotos echt gut, alle Fotos!!!
    vielen Dank!:
    lg,wenting

  3. Gast sagt:

    Hej Timm,
    die Fotos und Deine Beschreibungen finde ich auch richtig klasse!
    Aber wo bleibt Dein Bericht über Deine Reise in eine alte, kleine norddeutsche Stadt zwischen Nord- und Ostsee und ihre wunderlichen Bewohner ;-)))

    LG, Ricarda

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