Die Schönen, die Reichen und ich

Gestern verschlug es mich für zwei Stunden in  die Welt der Beijinger Schickeria. Ein junger chinesischer Mann, den ich beim Sport kennengelernt hatte, hatte mich eingeladen, zur Eröffnung eines neuen Burberry Shops zu kommen. Da ich nicht nur meine Kollegen, mein Fahrrad und meinen Laptop als engen Sozialkreis empfinden möchte, sagte ich zu und setzte mich gestern Abend voller Neugierde auf die Veranstaltung ins nächste Taxi. Sunny hatte erwähnt, daß er nur auf solche Parties gehe, weil man dort ständig Champagner gereicht bekäme. Und das ist sicher eine angenehme Methode, ein langes Wochenende einzuläuten.

Da ich die Shopping Mall nicht kannte, machte ich mir erst Gedanken, lange suchen zu müssen und wunderte mich für einen Augenblick über die Menschenmenge und Fotografen, die sich vor dem Einkaufscenter versammelt hatten, als ich aus dem Auto stieg. Bis ich realisierte, daß die alle gerade wegen der Eröffnung da waren. Erstaunt spazierte ich an den Absperrungen vorbei über den weißen Teppich, meine Einladung in einem weißen Umschlag wollte niemand sehen, lächelte freundlich in die eine oder andere Kamera, nahm mir das erste Glas Champagner des Abends und betrat mit dem Schritt über die Türschwelle die Welt der Schönen, Reichen und derjenigen, die es sein wollen oder es zumindest gekonnt vorgeben.

Mein erster Gedanken durch die Menge war, daß ich noch nie so viele auch trotz der handflächenhohen Absätze immer noch große Chinesinnen mit sehr schönen, aber ausdruckslosen und nichtssagenden Gesichtern, chinesische Männer mit feschen Hüten, unendlich cool in die Stirn gegelten Haaren und übergroßen Sonnenbrillen, gestriegelten und gebügelte Ausländer in Anzügen (zu denen ich mich ja auch zählte) und schwule Männer auf so engem Raum und in der Zahl gesehen habe.  Ein Gefühl der eigenen Deplatzierung spülte ich mit dem zweiten Glas Champagner fort.

Irgendwann staute sich die eh schon eng stehende Menge und die überall herumwuselnden Fotografen sammelten sich an einer Stelle, um ein Blitzlichtgewitter zu entfachen. Nach meinem vierten Glas Champagner sah ich, daß Maggie Cheung (Zhang Manyu), eine sehr bekannte Hongkonger Schauspielerin, die zuletzt in „In the Mood for Love“ und „Hero“ auch in deutschen Kinos zu sehen war, der Grund dafür war. Sie lief mit ihrem deutschen Lebenspartner einmal in die eine Ecke des Ladens, kam nach einer halben Stunde wieder vorbei und entschwand. Fazit: Bei einem halben Meter Abstand sieht sie auch nur aus wie ein Mensch. 😉

Nett war ein Gespräch mit einem deutschen Herren (die Landsleute scheinen überall zu sein), der seit 1974 mit kurzen Unterbrechungen in Beijing lebt, und auch etwas verlassen an einem Glas nippte. Als er seinen Fuß zum ersten Mal nach Rotchina setzte, befand sich das Land noch in den letzten Zügen der Kulturrevolution und die Bevölkerung kleidete sich in uniforme blaue und graue Anzüge. Und nun standen wir auf der Ladeneröffnung einer westlichen Marke zwischen langbeinigen, gertenschlanken Chinesinnen („Eat More Rice!“), die sich begeistert über die ausliegenden Kleidungsstücke hermachten.

Irgendwann hatte ich aufgehört die Gläser Champagner zu zählen, setzte ich mich in ein Taxi und fuhr zurück in ein anderes Beijing.

Dieser Beitrag wurde unter Beijing, Gesellschaft veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Die Schönen, die Reichen und ich

  1. Gast sagt:

    WoW, unter so einer Situation ist zwar nicht immer angenehm, aber einmal aus Neugierigkeit moechte ich gern erleben: ) Wenn ich naechstes Mal Peking besuche, besorge mir bitte auch eine solchen Einladung, was haeltest du davon? :p

    hihihihihi aber cool war es doch irgendwie,oder?

    lg,wenting

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert