Von Fliegern und Flughäfen

Etwas entgeistert schaute ich am vergangenen Donnerstag morgen in den Platzregen, der vor meinem Gebäude nieder ging. Gegen 8.30 Uhr sollte mein Flieger nach Jinan, der Hauptstadt der Provinz Shandong abheben, wo ich mit meiner Kollegin Liu Meng an der TAgung der deutsch-chinesischen Arbeitsgruppe Medizinwirtschaft und Biotechnologie teilnehmen sollte. Nachdem ich mich wirklich zeitig aus dem Bett gerollt hatte, machte mir der Regen einen feuchten Strich durch meine Zeitrechnung. Denn in Beijing ist es wie in allen anderen Städten bei Regen reine Glückssache ein Taxi zu finden. Doch dies sollte an diesem Tag das geringste Problem werden.

Fluchs sprang ich in den Fahrstuhl, wechselte in meiner Wohnung von Jeans, Oberhemd und Jacket in Shorts, T-Shirt und Badeschlappen, um mich den Wassermassen zu stellen, nur um zu sehen, dass der Regenguss vorüber war, sobald ich meine Nase wieder aus der Tür steckte.

An der Straße angekommen, war natürlich weit und breit kein Taxi zu sehen, der Weg zur U-Bahnstation war deutlich zu weit und so rief ich Liu Meng an, mit der ich mich beim Flughafen treffen wollte und die glücklicherweise bereits in einem Taxi saß. ch bat sie, einen Schlenker fahren zu lassen und mich mitzunehmen. Später schilderte sie mir,  der Fahrer habe ich daraufhin gesagt, daß er eine pünktliche Ankunft am Flughafen nicht garantieren könne, wenn sie ihren Freund mitnehmen wolle. Worauf sie erwiederte, einen Freund würde sie stehen lassen, doch handele es sich bei mir um ihren Boss. Da sei das keine Option. 😉

So kamen wir doch gerade rechtzeitig am Check-In an, warfen unsere Rollkoffer aufs Laufband und freuten uns. Bis wenige Minuten die Anzeigetafeln zahlreiche Flüge als gecancelt und unseren auf unbestimmte Zeit verschoben zeigten. Der Grund spielte sich außerhalb der großen Panoramafenstern ab, vor denen sich gerade ein weiterer Ozean über Beijing zu ergießen schien. So sehr das sogar Teile der Decke nachgaben und es plötzlich wenige Meter neben uns in der Halle ebenso heftig regnete.

Wir harrten eine Stunde und eine weitere, doch nachdem wir erfuhren, daß der Flieger aus Jinan nicht einmal Richtung Beijing abgehoben habe, checkten wir wieder aus, warteten eine weitere Stunde auf unser Gepäck und fuhren mit dem Taxi ins Büro. Als nächster Abflugtermin wurde uns 19 Uhr genannt.

So fanden wir uns gegen 18 Uhr wieder im Flughafen ein, gaben das Gepäck ab, setzten uns ans Gate und erfuhren, daß es immer noch zu Verspätungen komme. Aus 19 Uhr, wurde 20 und 21 Uhr, als uns mitgeteilt wurde, daß der Flieger gegen 22.30 Uhr starte. Was er dann gegen 23 Uhr auch tat. 0 Uhr in Jinan, gegen 1 Uhr im Bett.

Die Tagung fand zu recht reduzierten Bedingungen statt. Ein Teilnehmer war in derselben Nacht aus Shanghai nach Jinan geflogen, doch sei die Maschine zehn Minuten vor Ankunft wegen eines weiteren Gewitters abgedreht und wieder nach SH zurücknavigiert worden.

Der Rückflug gestaltete sich ähnlich. Kein Flieger um 18.30 Uhr, aber gegen 22 Uhr. So kam ich zum einmaligen Erlebnis, mir das Fußballspiel Deutschland gegen Serbien in einer VIP-Lounge auf dem Flughafen von Jinan anzusehen.

Gestern flog ich nach Shanghai, um mit Kollegen vor Ort über laufende Projekte zu sprechen und sich über deren beispielhafte und unsere beispiellosen Prozesse auszutauschen. Glücklich checkte ich ein, kam dank leichten Handgepäcks schnell durch die Kontrollen und saß pünktlich an Bord. Und saß. Und saß. Und nichts geschah. Für zwei Stunden. Da wegen eines Unwetters über Shanghai keine Freigabe erteilt werden konnte. Ich nutzte die Zeit und beschäftigte mich intensiv mit Lisbeth Salander…. 😉

Versöhnt habe ich mich mit dem durcheinandergeratenen Flugplan in dem Augenblick, als ich in der U-Bahn zum Flughafen saß und realisierte, ich würde nicht rechtzeitig zum Schalterschluß ankommen. Ein chinesisches Ehepaar in meiner Nähe, das auf dem Weg nach Xiamen war, mußte auf einen Flieger um dieselbe Zeit und erkundigte sich, wie die Chancen stünden, diesen noch zu bekommen. Dabei fragte er auch nach meinem Flieger nach Beijing, der erst eine Stunde später als geplant abheben sollte. Und dies dann auch tat.

Dienstag morgen geht es mit einem Direktflug nach Taiwan und am Donnerstag über Hongkong zurück….

Übrigens bedankt sich am Shanghaier Flughafen Hongqiao eine automatische Stimme nach jedem gescannten Ticket mit einem sachlich kühlen Xiexie. Das ist bei einem ganzen Flieger eine große Menge Dankbarkeit, die einem zu Ohren kommt….

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