Wieder einmal feierte China Anfang Februar mit Chinese New Year das größte und wichtigste Fest Asiens, doch nachdem ich wieder von der kleinen japanischen Bar im 35. Stock das Feuerwerk über Beijing gesehen hatte, wollte ich nicht ein weiteres Mal in der Hauptstadt bleiben. So kaufte ich mir ein günstiges Return-Ticket nach Tokyo und flog mit einer neuen Kollegin (der dritten Kammermanagerin, die ich in zwei Jahren erlebe), die auch nicht nur in China sitzen wollte, am letzten Sonntag morgen los.
Nach drei Tagen nehme ich aus Japan drei Eindrücke für mich mit: Sauber, geordnet, diszipliniert (im Grunde alle Eigenschaften, die nicht auf China zutreffen).
Tokyo unterteilt sich in verschiedene Viertel, die sich voneinander mehr oder weniger stark unterscheiden und dem Besucher sehr unterschiedliche Seiten präsentieren. In Shibuya, einem Einkaufs- und Büroviertel, wimmelt es vor jungen Leuten Mitte 20. Besonders charakteristisch ist Shibuya Crossing, eine große Kreuzung, an der bei rot hunderte von Menschen ordentlich warten, um bei grün wie eine Springflut von Menschen loszubrechen, nicht nur gerade über die vier Straßen, sondern auch auf vorgezeichneten Übergängen, die quer über die Kreuzung laufen. Dies ist auch sehr gut in dem Film âLost in Translationâ zu sehen.
Bekannt ist auch der Tsukiji Fischmarkt, auf dem jeden Tag über 100 mt Thunfisch versteigert werden. Doch ist dieser Teil nicht mehr zugänglich für die Öffentlichkeit. Die großen Verkaufshallen liegen am Hafen, gleich neben eine Reihe kleiner Sushi- und Sashimi-Restaurants und Läden mit japanischen Messern und Küchenzutaten, Gewürzen und Seetang-Blättern. Abgesehen von der großen Auswahl von Fischen und anderem Meeresgetier erstaunte mich am meisten die Tatsache, daß ich inmitten der Dutzenden von Verkaufsständen stand und es nicht nach Fisch roch. Vielleicht etwas, wenn ich mich wirklich darauf konzentrierte. Alles lag in frischem, sprudelndem Wasser, und Messer und Arbeitsflächen wurden sofort gewaschen und abgewischt. Nach den Eindrücken vom Markt aßen wir natürlich auch Sashimi und glaube danach, daß es nur in Japan richtig gutes Sashimi gibt. Der Fisch schmeckt frischer und selbst die Seetang-Blätter allein sind eine Geschmacksüberraschung.
Sobald die Sonne untergegangen ist, wird Tokyo von einer unzählbaren Menge von Leuchtreklamen erstrahlt. An vielen Ecken standen junge Japanerinnen in Schulmädchen- oder Anime-Fantasie-Uniform und verteilten Flyer an die Passanten. Wir glauben, daß dies Flyer für Bars waren, in denen die Gäste von Kellnerinnen in solcher Kleidung bedient werden. Hin und wieder lief man an älteren Damen vorbei, die noch traditionell in schlichte Kimonos gekleidet waren.
Besonderen Spaß hatte ich an den vielen bunten Getränkeautomaten, die überall in Tokyo auf den Straßen stehen. Beeindruckend war das U-Bahn-System, bei dem alle Haltestationen der einzelnen Linien mit Buchstaben versehen und durchnummeriert sind und sich Ortsfremde extrem leicht den Weg von c4 nach c7 finden und nach dem Umstieg nach h12 in aller Ruhe nach h3 fahren können. Beim Umsteigen im U-Bahnsystem weisen einem alle zehn Meter Schilder den Weg mit Hinweisen, wie weit man noch zu gehen hat.
Mein persönlicher Favorit waren die extrem sauberen – ebenfalls geruchsneutralen – öffentlichen Toiletten, deren Sitze beheizt und die generell mit kleinen Bedienkonsolen ausgerüstet waren.
Ich kann jedem nur empfehlen, einmal den Sprung nach Japan zu machen und sich Land und Leute einmal selbst anzusehen.
















