Vier Männer im Eis

Donnerstag vor zwei Wochen liefen Ingo Schulz, ein lieber Freund und Kollege, und ich in engen, schwarzen Hosen durch einen Laden, beäugt von irritierten Verkäuferinnen, und suchten nach Gesichtsmasken. Er fand eine in blau, ich nahm die rote. Denn gemeinsam mit zwei weiteren Freunden planten wir fürs Wochenende das große Event – wir wollten gemeinsam Harbin mit seinem Eisskulpturen-Festival besuchen. Und dort herrschen um diese Zeit 30 Grad unter Null und so machten auch die Thermo-Unterhosen Sinn.

Am Freitag abend richteten wir uns zu viert, Ingo, Gerrit, ein Praktikant in der Abt. Umwelt sowie dessen Kumpel, Bastian, in unserer Zugkabine ein. Ein Freund, der vor sechs Jahren in die Stadt gefahren war, erzählte von Fensterscheiben, die am Ende der Reise so dick mit Eis zugefroren waren, dass es schummrig in den Waggons wurde.   Diese Erfahrung im Hinterkopf erwarteten wir das Schlimmste und waren erstaunt, als wir auf dem Thermometer im Waggonkorridor zu den einzelnen 4-Betten-Kabinen kuschelige 25 Grad Celsius ablasen.

Eine Stunde später als erwartet fuhr der Zug in Harbin ein. Harbin ist bekannt, durch seine russische Geschichte, die man auch heute noch in einigen alten Gebäuden entdecken kann. Dick in mehrere Schichten langer Thermo-Unterwäsche, Hosen, Hemden und Jacken eingepackt, standen wir einige Augenblicke später auf dem Bahngleis und griffen uns verwundert an die Nase. Es war so kalt, dass ein Atemzug die Nasenhaare zum Gefrieren brachte.

Nachdem wir uns in einem Ibis Hotel eingerichtet hatten, wagten wir uns wieder ins Freie und spazierten durch die nahegelegene Fußgängerzone. Einheimische konnte man sofort daran erkennen, dass sich nicht vollständig eingemummt und ohne Kopfbedeckung herumliefen.

Mit einem Pferdewagen fuhren wir über den vollständig zugefrorenen Fluß, um auf der anderen Seite des Schneefestival zu besuchen. Neben dem Eisskulpturen- oder auch Eislaternen-Festival ist dies im Winter die zweite große Attraktion in Harbin. Unter freiem Himmel hatten Künstler viele Skultpuren aus blendend weißem Schnee gebaut. Bei den Temperaturen war der Schnee so stark gefroren, dass er hart wie Zement geworden war. Ein geworfener Block Schnee klirrte beim Aufschlag auf den Boden.

Nach etlichen Tassen Tee und warmer Milch sowie einer heißen Dusche (die sich nach den Stunden in der Kälte so gut anfühlte, dass ich lachend darunter stand – sehr zur Verwunderung von Ingo, der sich gerade nebenan auf dem Bett ausruhte) zogen wir am Abend erneut los, um mit einem Taxi zum Eis-Festival zu fahren.

Der Haupteingang bestand aus einer über 100 Meter langen Wand aus Eisblöcken, die von Innen beleuchtet wurden. Dutzende und Aberdutzende von Besuchern strömten durch den großen Torbogen, um sich auf dem Gelände dahinter die vielen Eisgebäude (chinesische Tempel, ein Märchenschloß und andere) anzuschauen. Da bereits die Nacht bereits angebrochen waren leuchteten die durchsichtigen Steine bunten in der Dunkelheit.

Am Sonntag abend saßen wir alle wieder gemeinsam im Flieger und waren uns einig: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung!

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Eine Antwort zu Vier Männer im Eis

  1. Christian sagt:

    Klasse Bericht und beeindruckende Fotos!

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