Der stille Herr Wang

Im Büro sitze ich mit zwei Kollegen zusammen. Der eine kommt aus Österreich und heißt Bernhard, der andere wird nur Dr. Wang genannt und stammt aus der Provinz Hubei. Wang Zhen hat in China und Deutschland Jura studiert und beschäftigt sich daher hauptsächlich mit allen Formen von Rechtsanfragen.

Da er ein sehr konzentrierter Arbeiter ist und einige Stapel mit akten auf dem Tisch hat, bemerke ich ihn morgens am ehesten dadurch, daß ich von dem Croissant und dem Ei, das er morgens zum Frühstück ißt, das letztere immer recht deutlich rieche. Alles in allem ein stiller Kollege. Aber nicht am letzten Freitag.

Vor zwei Tagen wurde das Team der AHK zur Karaoke eingeladen. Wir trafen uns in einem mehrstöckigen Gebäude mit verschiedenen Karaokesälen und -räumen, das nach chinesischer Gewohnheit mehr als nur wohl temperiert war, also deutlich zu kalt. Natürlich machten die chinesischen Kollegen den Anfang und auch die üblichen Verdächtigen nahmen zuerst das Mikrophon in die Hand. Und irgendwann dann auch der stille Herr Wang. Er stellte sich in die Miete des Raumes und schmetterte mit so viel Herzblut einen chinesischen Schmachtfetzen, daß die anwesenden Damen nur verzückt aufkreischten. Eine Zugabe wurde dann bescheid abgelehnt. Das Spannende und Überraschende für mich war, daß er das Lied auf Kantonesisch vortrug. Als ich später fragte, ob er denn auch Kantonesisch spreche, sagte er: „Nein, ich kann nur auf Kantonesisch singen!“

Der stille Herr Wang

Der stille Herr Wang

Doch ließ sich das noch steigern. Irgendwann ging ein weiterer Aufschrei durch die (weibliche) Menge. Bai Yunfeng, auch von vielen nur mit seinem deutschen Namen „Karl“ angesprochen, stieß verspätet zu uns. Karl, der auch für ein paar Jahre in Deutschland gelebt hatte und sich gern unter unseren  Landmännern bewegt, war bereits als DER große Sänger angekündigt worden. Und, ich muß gestehen, er war es.  Sobald  Karl die Karaokebox übernommen hatte, herrschte unter den Frauen ein verzücktes Schweigen, während wohl besonders unter den deutschen Herren die Erkenntis wuchs, daß der Abend dann wohl doch gelaufen sei. Ich sage es mal so: Nach manchen Liedern hätte auch ich Unterwäsche nach ihm geworfen. Gut, daß es so kalt war.

Karl - Der Star des Abends

Karl - Der Star des Abends

Ich sang natürlich auch. Zweimal. „I did it my way“ und mit der Chefin der AHK „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“, a capella, vor allen, mit Einhaken. Kommentar der Kollegin, die Karl zuvor besonders wild zugejubelt hatte: „Hast gut gesungen. Sehr ausdrucksstark.“

Was immer das auch heißen mag….

Unscharf, aber ausdrucksstark!

Unscharf, aber ausdrucksstark!

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2 Antworten zu Der stille Herr Wang

  1. Christian Rohweder sagt:

    Und wo ist jetzt der Audiomitschnitt? Das hätte ich ja nur zu gern von Dir gehört 🙂

  2. Gast sagt:

    … ich auch!!!

    Gut das Du Nathalie nicht mit Karaoke beeindrucken musst 😉

    LG, Ricarda

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