Gestern abend hatte ich das Glück, zur Vorstellungsveranstaltung eines neuen Hightech-Industrie Parks in Tianjin geladen zu werden, zu der ich leider wegen Sitzungen in der AHK erst in dem Augenblick in den Saal kam, als alle aufstanden um zu gehen. Da die Gäste noch bei den üblichen Obstplatten im Vorraum für weitere Gespräche zusammenkamen, hatte ich dennoch Zeit, mich unters Volk zu mischen.
Im Anschluß ging es zur Großen Halle des Volkes an der Westachse des Tiananmen-Platzes, wo ein Frühlingsfestempfang stattfand. Zahlreiche Botschafter und Diplomaten, Unternehmer und chinesische Persönlichkeiten aus der Regierung. Ich hatte das Glück von dem ehemaligen chinesischen Konsul in Deutschand und Österreich begrüßt zu werden, den ich bei anderer Gelegenheit schon kennenlernen durfte. Herr Wang spricht ein fantastisches Deutsch und engagiert sich sehr aktiv für die Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und Deutschland.
Es wurden wie immer bei solchen Veranstaltungen Reden gehalten, von offenbar in China sehr bekannten Sängerinnen mit hoher Stimme Lieder über Land, das Leben und den Rest geträllert, mit Rotwein angestoßen und viel geredet. Mein Glück war, daß ich am Tisch zwei chinesische Damen der European Chamber of Commerce in China sitzen hatte, mit denen ich mich austauschen konnte. Sehr spannend, da die eine elf Jahre in Spanien, die andere sieben Jahre in Australien gelebt hatte.
Sie erzählten mir eine spannende Anekdote. Von Bekannten aus Japan haben sie gehört, daß die Ausländer in Nippon, die der Landessprache mächtig sind, oft ein sehr weibliches Japanisch sprechen und daher wie schwule Japaner klingen. Das lege daran, daß ihr Sprachvermögen meist von den einheimischen Freundinnen oder durch die Personen geprägt sei, mit denen sie sich viel umgeben. Naja, und das seien dann auch eher Frauen. Für manche Langnasen in China gelte das übrigens auch. Ich fandŽs zum einen komisch, zum anderen nachzuvollziehen. Auch in der AHK arbeiten mehr Frauen als Männer. Denke, ich werde dies Thema später noch einmal aufnehmen… und zukünftig ein männliches Chinesisch sprechen.
Das Schöne an chinesischen Veranstaltungen ist übrigens, daß sie pünktlich und dann abrupt enden. Kurz vor 20 Uhr kam ein Sprecher auf der Bühne und sagte sinngemäß: „Liebe Gäste, wir hatten eine schöne Zeit gemeinsam hier. Alles Gute fürs Neue Jahr. Wir machen hiermit Schluß. Ihre Mäntel hängen draußen. Zai jian“ Was dann auch der Fall war.
Hallo Timm,
das scheint ja ein unterhaltsamer Abend gewesen zu sein. Da steigst Du ja schon so langsam in die Feinheiten der chinesischen Sprache ein – wünsche Dir viel Spaß beim Üben männlichen Aussprache 😉
Lieben Gruß aus der Heimat,
Ricarda