Der Himmelstempel (Tian Tan – 倩å) im Süden der Stadt ist mein Favorit in Beijing. Seine beiden kreisrunden Gebäude, das wunderschöne blaue Dach in Kontrast zum tiefen Rot seiner Außenflächen und die in der Architektur versteckte Zahlensymbolik machen ihn für mich zu einer ganz besonderen Anlage.
Teile der Dachkonstruktion der âHalle der Erntegebeteâ seht ihr als am Kopf meines Blogs. 1420 zum ersten Mal errichtet, brannte sie einige Male ab, das letzte Mal wegen Blitzschlag kurz vor der vorletzten Jahrhundertwende. Was den Himmelstempel aber noch interessanter macht, sind die vielen Gruppen alter Menschen, die sich am Wochenende in der den Tempel umliegenden Parkanlage treffen, um dort gemeinsam zu musizieren, zu singen oder zu tanzen.
Ein paar Schritte hinter dem Osttor beginnt ein überdachter Wandelgang, in dem sich Beijings älteste Generation in ihrer Freizeit trifft. Gleich am Anfang steht eine Gruppe von Rentnern, die Lieder aus der Beijing Oper singen. Während sich ein paar Damen beim Singen reihum das Mikrophon und die Ehre geben, zieht die meiste Aufmerksamkeit ein sehr, sehr alter Herr auf sich, der aussieht, als wäre sämtliches Leben schon vor langer Zeit aus ihm gewichen, doch zu jedem Lied die Bühnenbewegungen und Mimik der Oper-Akteure nachahmt und dabei auch die Kameras der vielen Touristen nicht scheut.
Ein paar Meter weiter tanzt eine Frau zu der Musik zweier Herren mit Mundharmonikas. Neben chinesischen Liedern ertönt auch Jingle Bells, auf den Fotos werdet ihr sehen, wie ausgelassen dazu getanzt werden kann. Weitere Sänger säumen den Weg, meisten sind es Lieder bei Beijing Oper, die gesungen werden, aber auch chinesische Schlager aus den 60ern und 70ern sind zu hören.
Meinen Lieblingsplatz an diesem Tag finde ich neben einem kleinen Orchester von gut einem knappen Dutzend Musikern, die so schön klassische, chinesische Lieder spielen, dass sich der Besucherstrom an dieser Stelle wegen der vielen Zuhörer staut. âDie Gruppe trifft sich seit langem hier im Tempelâ, so sagt mir eine ältere Dame, nachdem sie herausgefunden hat, dass ich etwas Chinesisch spreche. Am Anfang seien es nur ein paar Musiker gewesen, doch sei die Gruppe nach und nach angewachsen. Selbst einige der Zuhörer kämen jeden Sonntag zu den kleinen Konzerten, um sich die Zeit zu vertreiben.
Während meines Studiums erzählte mir jemand, wegen der kleinen Wohnungen, die oft von mehreren Generationen bewohnt werden, sind die Parkanlagen in China etwas wie öffentliche Wohnzimmer, in denen man sich zu Allerlei trifft. Junge Liebespaare, die dort früher in der Abenddämmerung Händchen haltend etwas Zweisamkeit suchten, sehe ich nur noch wenig. Für die Älteren in China sind diese Plätze aber wie eh und je ein Einlaufpunkt. Wer etwas mehr von der chinesischen Welt verstehen möchte, sollte sich dort eine Weile zu ihnen setzen und sich das bunte Treiben ansehen, und anhören.
- Ja, es gibt sie wirklich – Grünflächen in Beijing
- Ein altes Meisterwerk, der Tempel
- Die Halle der Erntegebete
- Im Wandelgang
- Der rote Tänzer
- Mit echter Leidenschaft
- Ein Peking-Oper Sänger
- Vor großer Menge
- Jinge Bells, Jingle Bells,…
- Jingle Bells rocks!
- Im Wandelgang II
- Die begeisterten Zuhörer
- Er schmetterte voller Inbrunst… wenn ich nur wüßte, was?!
- Das kleine Orchester
- Der Musiker
- Erinnert mich etwas an Ray Charles
- Der Flötenspieler
- Versunken
- Schön beim Zuhören



















Hi Timm, schoene Bilder, schoene Geschichte. Dank fuer das Zeigen von dem alltaeglichen Leben in Peking: ïŒ auch wenn keiner wirklich Kuenstler dabei ist, finde ich sympathisch 🙂
Dir einen schoenen Sonntagabend!
lg,wenting