Bei bestem Sonnenschein, Temperaturen knapp unter null Grad und mehreren Windstärken Kälte von vorne machten sich Dennis, Lisha, eine chin. Industriedesign-Studentin aus München, und ich uns Anfang dieser Woche auf den Weg in das Dorf Jimingyi (鞡鞣驿), das rund zwei Stunden Autofahrt nordwestlich von Beijing entfernt liegt.
Jimingyi war 1215 der Sammelplatz Dschingis Khans, von dem aus seine Truppen über Beijing herfielen. Weitere historische Bedeutung gewinnt Jingminyi durch die Tatsache, daß die Kaiserinwitwe Ci’xi mit ihrem Gefolge hier 1900 eine Nacht verbrachte, als sie sich angesichts der zur Niederschlagung des Boxer-Aufstandes herannahenden 8-Mächte-Armee zu einem spontanen Jagdausflug entschloß und Beijing verließ. Das kleine Hofhaus, in dem sie die ruhte, ist auch heute noch zu besichtigen.
Jimingyi ist noch von einer Stadtmauer umgeben, hinter der sich die grauen oder oft aus Lehmziegeln gebauten Häuser befinden. Schaut man unter die dicken Staubschichten und den schlechten Zustand der Gebäude kann man sich eine Vorstellung machen, wie es hier zu kaiserlichen Zeiten ausgesehen haben muß. Besonders schön sind die Steinarbeiten am Eingang zum Anwesen einer Qing-Beamten und die Verzierungen an den Geistermauern einiger Hofhäuser (Bei der Geistermauer handelt es sich um einen Sichtschutz wenige Meter hinter dem Eingang, der Gespenster am Hereinkommen hindern soll, da sie nicht um die Ecke gehen können. Der praktische Nebeneffekt ist der Sichtschutz in den Innenhof).
Im Dorf befinden sich mehrere Tempel mit wunderschönen, leider reichlich ramponierten 300 Jahre alten Wandmalereien. Was hier nicht vom Zahn der Zeit angenagt wurde, haben fanatische Hände während der Kulturrevolution zerstört. Einer der Einwohner sagte uns vor einer verzierten Geisterwand, der Künstler brauchte über ein Jahr, um sein Werk zu vollenden. In der Kulturrevolution habe es weniger als 10 Minuten gebraucht, um es wieder zu zerstören.
Nach einem Spaziergang durchs Dorf saßen wir eine Weile bei Einheimischen auf dem warmen Kang (ein durch Feuer „“wohl temperiertes“ Bett) und schlürften wohlig heißen Tee.










Schöne Fotos. Das erste habe ich heute spontan „entführt“ und für meinen Enrichmentkurs verwendet 🙂 Krass finde ich das Maisfoto, da wird dem Betrachter das Zeug so richtig schön um die Ohren gehauen, klasse! Und das nächste Bild mit der Statue und dem Einheimischen hat etwas Gegensätzliches. Auf der einen Seite das Historische und Erhabene und auf der anderen Seite die einfache Gegenwart. Das müsste in schwarz-weiss auch gut kommen.
Liebe Grüße
Christian