Besuch im Eunuchengrab Tianyi Mu

Rund eine Stunde Autofahrt von meiner Wohnung entfernt liegt im Westen Beijings die Grabanlage des Eunuchen Tianyi mit einem angeschlossenen Friedhof für einige seiner Kollegen. Tian Yi lebte von 1534 bis 1605. In seinem 63 Dienstjahren – er wurde mit neun Jahren kastriert -  diente er drei Kaisern und stieg am Ende zum obersten Zeremonienmeister am Hofe auf. Zudem war er zuständig für die Lieferung von Alkohol, Essig und Reis für die Verbotene Stadt.

Nach seinem Tod legte der Kaiser alle Regierungsarbeiten für drei Tage nieder und befahl den Bau der Grabanlage. Auch wenn die 400 Jahre alte Stätte etwas gelitten hat und von der ehemaligen das Gelände umgebenen Mauer nichts mehr übrig geblieben ist, so fanden Nathalie und ich dort viele wunderschöne Steinarbeiten auf den verschiedenen Gräbern. Eine der Grabkammer konnten wir besichtigen und ich war überrascht über die warmen Farben, mit denen die Handwerker beim Bau die Steintore und Türrahmen bemalt hatten.

Am Eingang zum Grab stehen zwei Statuen, die einen Militäroffizier mit Schwert und einen konfuzianischen Beamten mit einem Elfenbeintablett zeigen. Sie symbolisieren den Heiligen Weg, über den man zu allen kaiserlichen Gräbern aus der Ming und Qing-Zeit zu den Grabanlagen gelangt und die von einer Vielzahl von Steinstatuen und Tieren gesäumt sind. Für den Eunuchen fiel der Weg etwas kürzer aus.

Zu sehen bekamen wir in einigen Ausstellungsräumen am Rande des Grabes auch das Messer, mit dem den kleinen Jungen vor der Pubertät die Genitalien mit einem Schnitt abgenommen wurden. Zuvor hatte man Penis und Hoden mit einer Schnur umwickelt und stramm gezogen. Nach der Operation wurden wundheilende Binden aufgelegt und ein Strohhalm oder Federkiel in die Harnröhre eingeführt. Konnte der junge Mann nach zwei Wochen auf die Toilette gehen und es kam kein Blut, waren seine Chancen recht gut.

Der letzte Eunuch des Kaiser wurde kurz vor Ende der Qing-Dynastie kastriert und starb 1996 in Beijing.

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