Wasser, Wasser, Wasser

In einem der zahlreichen Beijinger Szene-Magazine las ich einen Artikel über das erste Wasserwerk der Stadt, das von Kaiserin Cixi bei einem deutschen Ingenieur in Auftrag gegeben worden war. Um wieder einmal etwas Neues kennenzulernen, schwang ich mit einer Stadtkarte bewaffnet auf meinen Roller und fuhr los.

Während das Anwesen zur Kaiserzeit noch außerhalb der großen Stadtmauern lag, ducken sich die wenigen kleinen Gebäude nun zwischen riesigen Hochhäuserkomplexen und man erwartet nicht, auf eine große grüne, gepflegte Rasenfläche zu treffen, um die sich die verbliebenen oder wieder aufgebauten Gebäude aus der Kaiserzeit befinden.

Kurz nach der vorletzten Jahrhundertwende versorgte sich die Beijinger Bevölkerung aus den zahlreichen Brunnen der Stadt, die nur selten frisches, meist aber brackiges, salziges Wasser gaben. Die kaiserliche Familie hingegen erhielt ihr Wasser direkt aus den Quellen der Berge westlich der Hauptstadt. Nach einem Erlaß der Kaiserinwitwe Cixi wurde 1908 das erste Wasserwerk Beijings gebaut.

Entworfen wurde die Anlage Beijings von der deutschen Fa. Arnhold Karberg und Co., dem das kühle Nass auf einem nahe gelegenen Fluß zugeführt wurde. Nach einer Desinfektion mittels der Zuführung von Chlor und Bleichmittel wurde das Wasser dann in einem Speicherturm gesammelt. Bei der Bevölkerung wurde die Neuerung erst sehr argwöhnisch aufgenommen, da das Wasser durch Chlor eigenartig roch und durch das Bleichmittel im Winter eine weißliche Farbe annahm. Im Volksmund hieß es nur „Seifenwasser der Ausländer“.

Das eigentliche Museum zeigt die Geschichte der Wasserversorgung Beijings mit ein paar historischen Aufnahmen und vielen Fotos und Karten der modernen Anlagen. Während auf den Hinweistafeln auf dem Gelände zumindest der Name der Ingenieursfirma genannt worden war, fand sich nach meinem Verständnis im Museum selbst kein Hinweis darauf, aus welchem Land die Technik stammte. Und damit befindet sich leider auch dieses Museum in einer Reihe mit anderen von mir besuchten in China, in denen auf Leistungen des eigenen Landes immer gerne hingewiesen, die von anderen Ländern aber verschwiegen wird. Weitere Beispiele sind die Terrakotta-Armee in XiŽan, wo das Deutsche Archäologische Institut mit Rat und Tat bei den Ausgrabungen und Konservierung unterstützt, diese Kooperation aber zumindest vor fünf Jahren nur in den deutschen Texten zu finden war. Ein weiteres Beispiel ist ein durch französische Gelder und Experten wieder aufgebauter Tempel im Alten Sommerpalast, deren Leistung ebenfalls unerwähnt bleibt. Dafür wird aber jedem chinesischen Schüler beigebracht, dass die französischen und englischen Soldaten diese damals weltweit einmalige Anlage geplündert und zerstört haben. Aber zurück zum Wasser.

Angesicht des heutigen Wasserversorgungsproblem Beijings ist es überraschend, wie viele alte Straßennamen die Begriffe „Brunnen“, „Quelle“ oder „Brücke“ in sich tragen und einen Hinweis darauf geben, wie die Situation vor 100 Jahren gewesen sein muß. Beijings Haupteinkaufsstraße, die Wangfujing, bedeutet übersetzt „Quelle des Prinzen Wang“. So oder so ist der Platz ein recht sehenswertes geschichtliches Überbleibsel inmitten von Hochhäusern und Schnelllebigkeit.

Dieser Beitrag wurde unter Beijing veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Wasser, Wasser, Wasser

  1. Gast sagt:

    Ich glaube auch viele Beijinger kennen die Wasseranlage nicht,oder?
    lg,wenting

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert