Es soll ja Vorgesetzte geben, die… (11)

… sich mit einem Angestellten ein Gespräch über die Qualität von Praktikanten führen. Dabei stellt sie fest, dass sie bei gleichen Lebensläufen und Qualifikationen immer den Universitätsstudenten dem Kandidaten aus der Hochschule vorziehen würde. Die Hochschule sei einfach zu verschult und die Studenten dort hätten nie gelernt, selbständig zu arbeiten.

Da ihr Mitarbeiter (in diesem Falle war ich es) selbst von einer Hochschule stammt, schaut er aufgrund dieser Aussage etwas erstaunt, woraufhin der Kommentar kam: „Das müssen Sie jetzt nicht persönlich nehmen!“

Ja, wie denn sonst. Habe mir im Nachhinein gedacht, ich hätte antworten sollen, dass ich über Frauen in gehobenen Führungspositionen in Beijing bisher nichts positives gehört habe. Sie sind alle total unorganisiert, behandeln ihre Mitarbeiter schlecht und hätten von Management noch nie gehört. Aber auch das wäre natürlich nicht persönlich gemeint gewesen.

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Neues von der Front

Erst waren wir der festen Überzeugung, mit dem Frühlingsfest habe nun auch die warme Jahreszeit begonnen. Doch nun sitze ich mit Dennis in einem Starbucks und schaue zu, wie langsam der Schnee vom Himmel schwebt. Also keine Frühlingsgefühle.

Was gibt es sonst Neues von mir: Wie eh und je gibt es mehr Arbeit als genug und auch das Management entzieht sich tapfer allen  Erkenntnissen über den Zustand der Kammer. Ach, und zum Abteilungsleiter wurde ich nun auch ernannt. In der AHK geht übrigens das Wort um, dass AL nicht die Abkürzung für Abteilungsleiter, sondern für Assistent Ludwig ist….

Seit zwei Wochen habe ich neben den üblichen Silberfischchen und fingerdicken Kakerlaken (Scherz!) zwei weitere tierische Mitbewohner, ein Pärchen Agaporniden, genauer gesagt Pfirsischköpfchen, die mir den knappen Alltag verschönen. Sie sind laut, machen bereits morgens um 07.30 Uhr Radau, sind nicht in der Lage, die Körnerschalen manierlich in den Käfig fallen zu lassen, doch sind sie eine großartige Ablenkung vom Stress.

Dann habe ich vor einer Woche das 21. Jahrhundert durch den Kauf eines MacBook pro betreten. Der alte Laptop hatte sich so entgültig aufgehängt, dass ich Geld in die Hand nahm und für Abhilfe sorgte. So bin ich nun begeistert von der zum Niederknien guten Qualität von Skype und der logischen Bedienung, muß mich aber dennoch etwas hineindenken.

So, dies auf die Schnelle von mir.

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Auf den Spuren der Kaiserinwitwe Ci’xi

Bei bestem Sonnenschein, Temperaturen knapp unter null Grad und mehreren Windstärken Kälte von vorne machten sich Dennis, Lisha, eine chin. Industriedesign-Studentin aus München, und ich uns Anfang dieser Woche auf den Weg in das Dorf Jimingyi (鞡鞣驿), das rund zwei Stunden Autofahrt nordwestlich von Beijing entfernt liegt.

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Vom Tempelmarkt

Am Montag ging es auf den Tempelmarkt im Alten Sommerpalast, den Yuanmingyuan, der besonders dadurch bekannt ist, dass von der ehemaligen Palastanlage so gut wie nichts mehr steht, da alles 1860 von franzöischen und englischen Soldaten dem Erdboden gleich gemacht wurde. Dies wird auch immer wieder gerne der chinesischen Öffentlichkeit mitgeteilt. Dass Frankreich aber viel Geld investierte, um ein Gebäude wieder herzustellen, liest man nur selten.

Egal, wie letztes Jahr zu CNY zog es mich auch dieses Mal wieder auf einen Tempelmarkt, um mir dort das Treiben anzusehen. Besonders schön waren diesmal die Stände mit altem Beijinger Handwerk, wozu die aus Zuckermasse geblasenen Tierformen, Wachsfiguren und Miniaturen aus Weidenkätzchen gehören. Anbei wie immer ein paar Fotos.

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China und das amerikanische Kino – Avatar

China will „Avatar“ für „Konfuzius“-Film opfern

Sophia Seiderer, Welt 20. Januar 2010

James Camerons Erfolgsfilm „Avatar“ soll ab Freitag aus den meisten chinesischen Kinos verschwinden. Die Regierung rechtfertigt dies mit angeblich mangelndem Interesse. Dem widersprechen ihre Kritiker scharf. Mit dieser Aktion wollten die Behörden unter anderem den demnächst anlaufenden „Konfuzius“-Film schützen.

Der Streit um Google und dessen möglichen Rückzug aus der Volksrepublik ist noch nicht beendet, schon steht der nächste Zwist ins Haus: Die chinesischen Behörden haben sich mit dem amerikanischen Filmverleiher 20th Century Fox angelegt und wehren sich jetzt gegen Vorwürfe, den Blockbuster „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ nur noch eingeschränkt in China zeigen zu wollen.

China wehrt sich gegen die Vorwürfe, James Camerons erfolgreichen Kinofilm „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ aus den meisten chinesischen Kinos verbannen zu wollen. Es sei eine kommerzielle Entscheidung gewesen, da nicht mehr ausreichend viele Besucher die normale 2D-Version hätten sehen wollen. „Es gab viele leere Plätze. Deswegen ist es nur normal, die zweidimensionale Version von der Leinwand zu nehmen“, argumentierte der Vizechef der Verwaltung für Radio, Film und Fernsehen, Zhang Hongsen, nach Angaben der Nachrichtenagentur China News. „Für die dreidimensional ausgelegte Version ändert sich nichts.“

Diese offizielle Begründung steht im Widerspruch zu dem riesigen Kassenerfolg, den der Blockbuster in der Volksrepublik einspielte: allein in den ersten acht Tagen eine Rekordsumme von 300 Millionen Yuan (30 Millionen Euro).

Doch ab Freitag soll „Avatar“ nicht mehr in allen Kinos gezeigt werden. Lediglich in Lichtspieltheatern mit 3D-Technologie, und damit nur noch in einem Bruchteil der Kinosäle. Chinesische Medien spekulierten über die Gründe. Die bekannte Kolumnistin Hung Huang beschrieb in der „China Daily“, warum sich viele Chinesen mit dem Na’vi-Volk in dem Fantasie- Film identifizieren und sprach von einem „sozialen Phänomen“.

„All die zwangsweisen Umsiedlungen alter Nachbarschaften in China machen uns heute zu den einzigen Erdenbürgern, die wirklich das Leid der Na’vi nachempfinden können.“ Die chinakritische Hongkonger Zeitung „Apple Daily“ geht einen Schritt weiter: Chinas Propagandabehörden wollten „Avatar“ vorzeitig auslaufen lassen, „weil er die Besucher an Zwangsumsiedlungen denken lässt und möglicherweise Gewalt auslösen könnte.“

Der bekannte chinesische Blogger Han Han sagte dazu: „Für Zuschauer in anderen Ländern ist eine solche brutale Räumung jenseits ihrer Vorstellungskraft. Es kann nur auf einem anderen Planeten oder in China stattfinden.“

Noch ein weiterer Grund könnte eine Rolle spielen: Am kommenden Wochenende startet das Historienepos „Konfuzius“ in China. Die heimische Produktion setzt sich mit den Lehren des Nationalphilosophen auseinander, die den chinesischen Zuschauern nahe gebracht werden soll. Da passt natürlich der erfolgreiche ausländische Film nicht ins Konzept.

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Letzte Woche sprach ich mit einem chinesischen Bekannten, der mir ebenfalls sagte, daß Avatar das Schicksal der aus ihren Wohnungen vertriebenen chinesischen Bürger darstelle.

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