Eine Reise nach Shanghai, 1/2

Vor zwei Wochenende nahm ich mir den Freitag frei und setzte mich am Donnerstag abend in den Flieger Richtung Shanghai. Ziel war es, nach langer Zeit in Beijing etwas anderes vor die Augen zu bekommen und zwei sehr liebe chinesische Freundinnen wiederzusehen, die ich aus meiner Studienzeit in Bremen kenne. Geplant war ein Wochenendtrip in die wohl modernste Stadt Chinas, doch wurde es eine Reise zurück in der Zeit.

Freitag bummelte ich mit Wenting (und für alle, die zufällig Chinesisch auf dem Rechner haben: 文婷  ) durch ein Einkaufsviertel, in dem auch der berühmte Yuyuan Garten liegt, ein chinesischer Park, der während der Ming-Dynastie (1368-1644) vom Mandarin Pan Yunduan zum Lustwandeln angelegt wurde. Mit einer Größe von rund 20.000 Quadratmetern kann man sich dort leicht verlieren und die Zeit vergessen, trotz der ebenfalls anwesenden Touristengruppen. Interessant ist einer der Felsen mit 72 Löchern. Es heißt, daß der Rauch eines Räucherstäbchens, das vor ihm angezündet wird, aus allen Felslöchern herauskommt.

Während die meisten deutschen Parks eher den Eindruck von unberührter Natur erwecken sollen – mal abgesehen von dem einen oder anderen „Es ist verboten, die Rasenflächen zu betreten“-Schild – spielt dieser Aspekt in traditionellen chinesischen Gärten eine kleinere Rolle. Dem Besucher  werden durch die Gartenarchitektur, aufgestellte Steine mit besonderen Formen, die Wegführung und in Mauern eingelassene Fenster immer wieder neue Ansichten der Umgebung geboten werden. Wie ich es verstehe, als würde man durch einen großen Bildband verschiedener Landschaftsszenen (See, Gebirge, Flächen mit integrierter Architektur) schlendern.

Abends trafen wir uns mit Yulu (雚露), der anderen einstmaligen Austauschstudentin in Bremen, zum Essen, wonach mich die beiden ins Shanghaier Nachtleben mitnahmen. Den Start machte ein Club, der sich im Gebäude eines ehemaligen herrschaftlichen Anwesens befand, das – wenn ich mich richtig entsinne – um oder kurz nach der Jahrhundertwende gebaut wurde.

Einen klaren Gegensatz dazu bildete die Bar, an deren geschlossener Eingangstür kein Griff oder Knauf zu finden war, und der ahnungslose Besucher sich vor einer Vielzahl beleuchteter in die Wand eingelassener Röhren gegenübersah. Der Trick war es, in einer dieser Röhren mit der Hand einen unauffällig angebrachten Knopf zu finden, der die Tür öffnete. Ebenso herausfordernd waren die Toiletten, an deren Türen sich zwar Griffe befanden, sie sich aber weder durch Ziehen oder Drücken öffnen ließen. Ich hatte Glück und sah jemanden aus einer Kabine kommen: Der Knauf war an der Seite der Scharniere angebracht gewesen… Am beeindruckensten war es aber auf der Außenterrasse der The View-Bar zu stehen, die in einem der obersten Stockwerke eines Wolkenkratzers liegt, von dem man eine großartige Sicht auf den Bund und Pudong, das Büroviertel Shanghais hat. Shanghai hatte sich mir zum größten Teil so gezeigt, wie ich erwartet hatte: Modern und  glitzernd, auch wenn der Yuyuan Garten eine Ausnahme bildete.

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Eine Antwort zu Eine Reise nach Shanghai, 1/2

  1. Gast sagt:

    hi Timm, schoen das Wochenende nun als Worte lesen kann: ) War echt schoen mit Yulu und Dir: ) Ich mag die Fotos, die du hier hochgeladen hast. Noch ein paar habe ich dir gerade zugeschickt, schaue dir mal bitte an, ob du welche auch fuer deinen Text brauchst: P

    Bin gespannt auf den 2. Teil! : ) Jia you!

    Lg, Wenting

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