Chinesische Kläranlagen und eine jadegrüne Insel

Die Dienstreise dieser Woche schickte eine chinesische Kollegin und mich gemeinsam mit einem Mitarbeiter der GTZ sowie weiteren Personen derUniversity of Science and Technology of Beijing in die Provinz Shandong, wo wir uns zwei chinesische Klaeranlagen ansahen. Ziel war es, zum einen herauszufinden, auf welchem Niveau sich die Technik befindet und wie man diese mit deutscher Technologie voranbringen koenne, zum anderen wollte ich Eindruecke fuer eine weitere EInkaeuferreise zum Thema Wassertechnik zu sammeln, die unter Umstaenden Ende des Jahres stattfinden wird.

Leider bestaetigten sich die Informationen die ich vor der Reise gesammelt hatte. in Sachen Trinkwasserver- und Abwasserenstorgung sieht sich die Regierung in Beijing grossen Herausforderungen gegenueber. Laut eines Berichtes der bfai werden in staedtischen Regionen nur etwas mehr als 60 Prozent des Abwassers behandelt, zaehlt man die Situation auf dem Land dazu, sinkt die Quote auf 20 – 30 Prozent. In vielen chinesischen Grossstaedten wird Wasser zu einem knappen Gut, allein in Beijing werden pro Kopf pro Jahr 70 cbm mehr Wasser verbraucht, als an Ressourcen vorhanden ist. Der Autor eines Buches, das ich gerade lese, stellt die These auf, dass sich die Regierung in ein paar Jahren unter Umstaenden ueberlegen muss, wegen Wassermangel die Hauptstadt zu verlegen. Vielleicht nur ein weiteres Katastrophenszenario, doch die Richtung kommt schon hin, da der Grundwasserspiegel BJs rasch sinkt.

Neben den Unmengen an industriellen und kommunalen Abwaessern, die ungeklaert in Gewaesser und Fluesse abgefuehrt werden, kommen tausende von Tonnen an Klaerschlamm, die auf der Deponie landen. Laut meiner Zahlen produziert China pro Tag rund 34.000 mt Klaerschlamm und weiss nicht wohin damit. Waehrend ein Grossteil davon in Europa verbrannt wird, sind die Kosten in China dafuer zu hoch und koennen nicht durch die Einnahmen der Wasserwerke gedeckt werden. Zwar steigen die Kosten fuer Wasser, doch liegen diese bei unter 4 RMB pro Kubikmeter in Beijing, also rund 40 Eurocent. Die Vertreter beider Wasserwerke bestaetigten, dass man mit den Einnahmen nicht in der Lage sei, die Ausgaben zu decken. Eines der Unternehmen sei zu 100 Prozent vom Staat subventioniert. Der Klaerschlamm, vor dessen rohölschwarzer Masse wir standen, wird auf nahegelegenen Deponien gelagert, da der nicht zu regulierende Anteil an Industrieabwaessern es verhindert, ihn als Duenger zu nutzen.

Natuerlich kann dieser ganze Absatz als Paradebeispiel dafuer dienen, wie sehr China in Sachen Umweltschutz hinter Europa hinterher ist. Keine Frage, ueber die man diskutieren muesste. Doch ist die eigentliche Message, dass sich China der Probleme bewusst  und auch gewillt ist, diese anzugehen. Die praktische Umsetzung des Umweltschutzes ist eine der drei großen Prioritaeten des letzten Fuenfjahresplanes. Doch faehrt den Gutwilligen in China meist die Groesse des Landes und auch die Korruption gewisser Kader in die Parade. Aber genug von nackten Fakten, den irgendwann kamen wir nach Qingdao, der ehemaligen chinesischen Kolonie des deutschen Kaiserreiches und den Herren Lesern durchs Bier bekannt.

Natürlich kenne ich Qingdao und seine Geschichte, doch  bin ich jedes Mal wieder aufs Neue überwältigt, wie traditionell deutsch der alte Teil der Stadt aussieht- kein Wunder, da die meisten Gebäude um die vorletzte Jahrhundertwende gebaut wurden.  Bei der Fahrt zum Hotel fragte ich unbewußt immer wieder,  woher denn die ganzen Chinesen auf der Straße bloß kommen und wo um Himmels Willen der naechste Aldi sei.

Qingdao fasziniert mich daher immer wieder aufs Neue. Ich kann stundenlang durch die Straßen stromern und mich vor jedem Gebäude fragen, wer wohl darin gewohnt hat und was aus den Familien geworden ist. Auch dieses Mal erwischte ich mich bei dem Gedanken, wie es wohl wäre, ein altes Gebäude zu kaufen, zu renovieren und so sein Äußeres wieder der Geschichte anzupassen, für die es steht. Ich hoffe, die Bilder geben ein Gefühl fuer die Stadt wieder.

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6 Antworten zu Chinesische Kläranlagen und eine jadegrüne Insel

  1. Gast sagt:

    Oh Sohn!

    Die Schwarzwälder Uhr am Kirchturm stammt aus Bockenem im Harz! No comment.

    Dein greiser Vater
    mit ganz großem Grienen

  2. Gast sagt:

    Oh Mann, jedes mal wenn ich in Qing Dao war, bin ich nur ans Meer gegangen, offensichtlich habe ich so viele andere Landschaften verpasst! Die Architektur der Haeuser auf den Bildern, die du aufgenommen hast ist total beeindruckend : p
    Jetzt habe ich Lust noch mal nach Qing Dao zu fahren.
    Hohoho ich finde du machst mit deiner Kamera immer gute Werbung fuer eine Stadt. Wenn du irgendwann mal keine Lust mehr hast, bei AHK zu arbeiten, kannst du mal versuchen bei TUI anzufangen~~~~~~ hohohohoho
    Wie haeltest du denn davon : p

    lg,wenting

  3. Gast sagt:

    Was heisst Grienen?

  4. Timm sagt:

    Moin Vaddern,
    das habe ich doch bewußt gemacht, um zu testen, ob sich die Leute auch wirklich die Fotos ansehen! 🙂

    Hatte den Fehler bereits bemerkt und auch geändert, leider hatte das System die Verbesserung nicht angenommen. So passiert es halt.

    LG,
    Dein Sohn

  5. Timm sagt:

    亲爱的婷婷

    „Grienen“ 就是 „grinsen“ 的意思. Nach meiner Erfahrung kommt es eher im norddeutschen Raum vor.

    LG,
    小眗

  6. Gast sagt:

    Moin Sohn,

    dann war also Deine Schwarzwälder Uhr aus dem Harz der Krake in Deinem Gesicht und auf dem Rücken? Wenn ich gewußt hätte, daß Du Deine Leser testest, hätte ich mir meinen Kommentar natürlich verkniffen.

    Noch ’n riesengroßes Grienen!

    Liebe Grüße
    Dein alter Alter

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