Die Wette

Vor einiger Zeit saß ich mit einem Bekannten zusammen, der schon seit vielen Jahren in China lebt und hier nicht nur Hinz und Kunz, sondern auch Wang und Zhang kennt. Bei einem großen Kaffee diskutierten wir in nostalgischer Stimmung über das „gute, alte China“ vor 8 Jahren und überlegten, wie sich wohl das Jahr 2009 entwickeln würde, von dem einige der Meinung sind, es stünde unter keinem besonders gutem Stern.

2009 stehen die Jahrestage so mancher historischer Geschehnisse ins Haus. Am 1. Oktober wird das Land den sechzigsten Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China feiern und auf dem Boulevard des Langen Friedens soll eine Militärparade abgehalten werden. Ich werde mir wohl zur Feier des Tages die Original-Stimmaufnahme von Mao Zedong anhören, die noch irgendwo auf meinem Laptop herumgeistert.

Die Befreiung Tibets liegt ebenfalls 50 Jahre zurück und in der China Daily erschien heute ein langer propgandistischer Kommentar dazu. Zudem sind auch 20 Jahre nach den Demonstrationen im Zentrum Beijings vergangen. Wohlmöglich könnten Leute dies zum Anlaß nehmen, öffentlich zur Erinnerung aufzurufen. Doch traf dies alles auch vor 10 Jahren bereits zu und es war ruhig in China geblieben.

Die Regierung in Beijing hatte damals übrigens eine pfiffige Idee gehabt, jegliche Tumulte auf dem Platz des Himmlischen Friedens zu unterbinden und diesen seit Anfang 1999 wegen Umbauarbeiten komplett schließen lassen. Knapp 2 Meter hohe Stahlwände, wie sie immer wieder an Baustellen aufgestellt werden, verhinderten den Zugang. „Leider“ hatte es dann Verzögerungen gegeben, so daß die Arbeiten nicht wie geplant im Mai, sondern erst lange nach Anfang Juni abgeschlossen und der Platz erst dann wieder freigegeben werden konnte. Mein Kommentar dazu: Chinesisches Problem, chinesische Lösung. 🙂

Was meinen Bekannten Gedanken machte, waren neue Aspekte, die dieses Jahr für zusätzlich für soziale Unrast sorgen könnten, wie z.B. die hohe Zahl der Uniabsolventen, die bis dato keinen Arbeitsplatz gefunden haben. Knapp mehr als 6 Millionen Studenten verlassen dieses Jahr auf der Suche nach einem Job die Universitäten, viele davon werden keinen finden.  Von den 2008Žer Absolventen sollen immer noch eine Million ohne Arbeit sein, ganz ähnlich sieht es im Vorjahr aus. Die Regierung versucht zwar mit angebotenen Praktika und ABMŽs in vielen Unternehmen gegenzusteuern, doch gleicht das dem Kampf gegen die Windmühlen.

Unzufriedenheit herrsche daher auch im einfachen Volk, da man sich jahrelang für die Zukunft seiner Kinder aufgerieben habe und nun mitansehen müsse, dass diese keinen guten Job finden. Ähnlich sieht es bei den Wanderarbeitern aus, von denen ca. 15 Prozent nach Chinese New Year ihre Anstellung verloren. Die englischsprachige Propagandazeitung „China Daily“ nennt für das Jahr des Büffels 20.000.000 arbeitssuchende Wanderarbeiter. Die wahren Zahlen liegen sicherlich höher.

Er habe eine Wette mit einem anderen Freund laufen, so sagte mir mein Gesprächspartner. Dieser, der Journalist bei einer englischen Zeitung in China sei, erwarte Unruhen in der zweiten Hälfte des Jahres. Er selbst gehe eher von Mitte 2009 aus.

Schauen wir mal, was kommt.

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2 Antworten zu Die Wette

  1. Gast sagt:

    Hi Timm, um deine Texte zu verstehen muss ich offensichtlich noch viel Muehe geben mein Deutsch zu verbessern…
    oder umgekehrt, gib dir doch Muehe mit einfacherem Deutsch zu schreiben:P

    Naja, meine Meinung zu der Wette: ich glaube Unruhe kommt eher unerwartet vor. Wenn dein Bekannte und seiner Bekannte auch schon mal schaetzen koennen wann etwas Unruhiges passieren koennten, wird letzt endlich nothing happen. je hoeher die Erwartung/Drohung waere, desto ausfuehrlichere Massnahmen es geben wuerde.
    —-> wie du sagst: Chinesisches Problem, chinesische Loesung. nicht wahr? : p

  2. Gast sagt:

    ach vergessen zu sagen: Dir schoenes WE!
    Lg,wt

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