Auf dem Weg zur „Perfume Pagoda“

Gestern schloss ich mich einer Reisegruppe an, um die in Vietnam sehr berühmte Perfume Pagoda rund 90 Minuten Fahrt von Hanoi entfernt zu besuchen. Da in Hanoi an jeder dritten Ecke ein Rucksack-Tourist (die Männer meist gross, in T-Shirts, Schlappen und Shorts – auch gerne mit Bart, die Damen meist mit langen Haaren, offen oder alternativ nach oben gebunden, mit alternativen Sackhosen und alternativem Gesichtsausdruck) und an jeder zweiten Ecke eine Reiseagentur zu finden ist, stellte ich mich auf ein Erlebnis der ganz eigenen Art ein. Was auch besser war.

Pünktlich gegen 07.30 Uhr sass ich am Empfang des Hotels und wartete auf den Pick-Up-Service. Da mir Kenny, der Tourguide, den ich am Vorabend bei einem Bier kennengelernt hatte, von den Scherereien mit Touris gehört hatte („Du brauchst fünf Versuche, um Touris vom Hotel abzuholen. Beim ersten Mal sind sie noch auf dem Zimmer, beim zweiten Male gerade auf dem Weg zum Frühstück, mein dritten Versuch, noch nicht fertig, beim vierten wieder auf den Zimmern und beim fünften Versuch checken sie aus!“), war ich auf die Minute genau – nur der Travelguide nicht. Und so zog ich um 8 Uhr wieder auf mein Zimmer und wartete eine halbe Stunde, bis der gute Mann in der Lobby auftauchte.

Im Bus warteten vier Vietnamesen, ein französisches Pärchen aus Paris, zwei deutsche Mädels aus  Essen und zwei Damen aus Australien auf mich. Nach eineinhalb Stunden Fahrt vorbei an zahlreichen Häuschen, die den Begriff Isoliermaterial nie gehört zu haben schienen, und einer Menge Reisfelder, in denen Frauen knietief im braunen Wasser standen und grüne Triebe steckten, erreichten wir unseren Umsteigeplatz für die Bootsfahrt. Highlight neben der eigentlichen Pagode sollte eine einstündige Fahrt auf schmalen Booten sein, die von Frauen mit Strohhut gerudert wurden. Während ich im Kopfe zwei schlanke Boote hatte, die leise auf einem ruhigen Fluss den hohen Bergen entgegen glitten, war der Anblick der Hunderte von Stahlkähnen dann doch eher ernüchternd. Und diese transportierten wiederum Aberhunderte von vietnamesischen Touris Richtung Pagode… Wie ich später herausfand, fand dort gerade ein Festival stand und zog somit mehr Menschen als sonst an.

Nach etwas mehr als einer halben Stunde Paddelnlassen erreichten wir die Anlegestelle, von der aus es mit den vielen anderen Reisenden zur Pagode gehen sollte. Auch hier lagen die Boote dicht an dicht, ebenso wie die vielen Verkaufsstände und kleinen Restaurants, die oft einen sehr eigenwilligen Weg gefunden hatten, die Frische und Qualität ihrer Fleischgerichte vorzuführen. Vor vielen Ständen waren toten Rehe an den Nasen aufgehängt worden, aus denen der Chef de Cuisine nach Wünschen der Gäste dann die besten Stücke herausschnitt. Gleich daneben hingen bereits geräucherte Tiere, bei denen wir uns auch nach längerer Betrachtung nicht sicher waren, ob es sich nun um ein Wildtier oder Hund handelte. Vielleicht verkauften sie auch nur einfachen Hund als lokale Spezialität.

Der Weg zur Pagode dauerte etwa eine weitere Stunde und führte die ganze Zeit an einer Reihe von weiteren Ständen vorbei, an denen man Kaffee und Pho, das traditionelle vietnamesische Nudelgericht, DVDs von religiösen Sängern, Utensilien für die bessere Frisur und sonst noch alles kaufen konnte, was man auf dem Weg zum Pilgerort sicher brauchen könnte.

Die Pagode habe ich übrigens nie gesehen. Oben auf dem Berge angekommen ging es eine weitere Treppe wieder hinab in eine riesige Grotte mit einigen Schreinen, die nach guter alter Manier über Lautsprecher mit sakraler Musik beschallt wurde, damit auch jedem klar wurde, dass man doch bitte in Andacht erstarren sollte in der Volkfest ähnlichen Menschenmenge.

Auch wenn es eher ein Touristen-Hub war, so hatte die ganze Sache als Gesamtkunstwerk betrachtet dann doch ihren Charme.

 

 

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