Meine liebste Methode, einen neuen Ort kennenzulernen, ist in ihm verloren zu gehen, was mir meistens auch nicht schwer fällt. 😉 So zog ich am letzten Mittwoch nach einem Croissant-Brot (was es auch wirklich ist, in der Form eines Croissants und deutlich bissfester) und einer Tasse des fantastischen vietnamesischen Dripping-Coffee los, um die Stadt zu erkunden.
Neben den zahlreichen Rollern zeichnet sich Saigon meiner Meinung nach besonders dadurch aus, dass es keine wirklichen Sehenswürdigkeiten besitzt. Der Reiseführer weist eine Kathedrale, die nicht wirklich alt ist, ein Opernhaus, das Kriegsmuseum (das ich mir nicht anschaute) sowie eine Pagoden und Tempel aus, die meist zu Ende des 19. Jh. gebaut wurden.
Auffällig ist eher, dass ich neben den in Vietnam häufig gehörten Fragen der Motorradfahrer, wohin ich gehe und ob ich ein Motorrad brauche, innerhalb von weniger als einer Stunde dreimal mit derselben Geschichte konfrontiert wurde. Aus heiterem Himmel freundlich angesprochen, fragte zwei ältere Frauen und später ein Herr nach meiner Herkunft und reagierten freudig, da sie eine Verwandte hätten, die in der nächsten Woche / im nächsten Monat nach Hamburg / Stuttgart oder Frankfurt Oder gehen werde, um dort als Krankenschwester / in einer Firma zu arbeiten. Ob es denn nicht möglich wäre, sich gemeinsam auf einen Kaffee zu treffen, damit die Verwandte ein paar Fragen stellen kann.
Das erste Mal reagierte ich freundlich, sagte aber ab, da ich erst weiterlaufen wollte, beim zweiten Mal war ich überrascht und sagte auch ab und beim dritten Mal war mir ganz klar, daß es sich um eine Abzocke halten muß. Frage mich nur, wie sie letztendlich ans Geld kommen wollen. In China werden Ausländer häufig auf der Wangfujing, der Einkaufsstraße in Beijing, von âStudentinnen und Studentenâ angesprochen, die behaupten Englisch lernen zu wollen und den Touri dann in ein Restaurant schleppen, in dem sie Tee für RMB 1.000 und mehr serviert bekommen. Ich denke, auch in Saigon würde es auf etwas ähnliches hinauslaufen.
Mein Hotel lag in Fußreichweite eines kleinen Parks, in dem sich abends reges Leben abspielte. Jugendliche fuhren mit ihren Rollern über den Platz oder trafen sich zum âHaggysackâ spielen (das Spiel, bei dem man sich einen kleinen befederten Ball mit den Füßen zuspielt). Ein paar Meter weiter trainierten rund 25 Personen vietnamesisches Kung-Fu, beäugt von etlichen Passanten und Touristen, und auch die üblichen Bettler, die um Kleingeld bitten oder die Mülltonnen nach PVC-Flaschen durchsuchen, und Kleinhändler mit Wasser, Limo, Spielkarten, Zigaretten und anderem in ihrem Bauchladen wuselten zwischen den Rasenflächen herum. Und das alles bei Temperaturen, bei denen man auch abends um 22 Uhr noch in Shorts und T-Shirt draußen sitzen kann.